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Circular Summer School

Ein Gebäude wird zum Lehrstück

Bei der cir­cu­lar sum­mer school begleit­eten Studierende den selek­tiv­en Rück­bau der ehe­ma­li­gen KiTa auf dem Cam­pus Golzheim. Dabei durch­liefen sie zen­trale Schritte der zirkulären Prozess­kette: von der Bestand­sauf­nahme über Aus­bau, Doku­men­ta­tion und Trans­port bis zur Ein­lagerung und Entwick­lung neuer Nutzungsideen.

Vom 31. August bis 4. Sep­tem­ber 2026 wurde die ehe­ma­lige KiTa auf dem früheren Cam­pus Golzheim zum Lern‑, Forschungs- und Arbeit­sort. Studierende der Hochschule Düs­sel­dorf aus Architek­tur und Innenar­chitek­tur unter­sucht­en, wie sich ein beste­hen­des Gebäude als Ressource ver­ste­hen und zirkuläres Bauen direkt am realen Objekt erproben lässt.

Material vor dem Abbruch bewahren

Die KiTa befind­et sich auf dem ehe­ma­li­gen Cam­pus Golzheim der Hochschule Düs­sel­dorf, der derzeit durch den BLB NRW neu entwick­elt wird. Das Gebäude besitzt eine beson­dere Geschichte: Es wurde vor weniger als 30 Jahren von Studieren­den der dama­li­gen Fach­hochschule Düs­sel­dorf geplant und teil­weise selb­st gebaut. Rück­baubarkeit, Nach­haltigkeit und der Ein­satz natür­lich­er Mate­ri­alien für ein gutes Raumk­li­ma der Kinder waren bere­its damals zen­trale Bestandteile des Entwurfs.

Nach­dem die Hochschule 2018 auf den Cam­pus Deren­dorf umge­zo­gen war, blieb die KiTa zunächst am Stan­dort beste­hen. Im Zuge der Neuen­twick­lung des ehe­ma­li­gen Cam­pus Golzheim ist nun auch der Abbruch des Gebäudes vorge­se­hen. Zunächst wurde geprüft, ob der mod­u­lare Holzbau  an einen anderen Stan­dort ver­set­zt wer­den kön­nte. Da ein Umzug nicht real­isiert wer­den kon­nte, wandte sich der KiTa-Vere­in an sec­ond bau. Sven van den Höv­el und Vir­ginia Claaßen set­zten sich dafür ein, möglichst viele Bauteile und Mate­ri­alien vor der Entsorgung zu bewahren und zugle­ich die beson­dere Geschichte des Gebäudes sicht­bar zu hal­ten.

Daraus ent­stand die Idee, den selek­tiv­en Rück­bau mit einem Lehr- und Forschungs­for­mat zu verbinden. Die cir­cu­lar sum­mer school sollte nicht nur Mate­ri­alien sich­ern, son­dern auch Erken­nt­nisse darüber liefern, wie  Rück­bau in der Prax­is funk­tion­iert und welche Anforderun­gen an die Weit­er­ver­wen­dung der gewonnenen Bauteile entste­hen.

Vom fachlichen Input zur praktischen Arbeit

Die Sum­mer School begann mit einem gemein­samen Ein­führungstag am Bauwen­de­hof in Düs­sel­dorf-Flingern. Projektpartner*innen und beteiligte Akteur*innen ver­mit­tel­ten Grund­la­gen zu Urban Min­ing, kreis­laufgerechtem Bauen, Mate­ri­aler­fas­sung, Pre-Decon­struc­tion-Audits, selek­tivem Rück­bau, Lager­l­ogis­tik und handw­erk­lich­er Wiederver­wen­dung.

Bevor die prak­tis­che Arbeit an der KiTa begann, lern­ten die Studieren­den so die gesamte Prozess­kette ken­nen. Im Zen­trum stand die Frage, welche Voraus­set­zun­gen erfüllt sein müssen, damit ein Bauteil nach dem Aus­bau nicht zu Abfall wird, son­dern in einen neuen Leben­szyk­lus gelan­gen kann.

Eine wesentliche Grund­lage für den selek­tiv­en Rück­bau war die Bestand­sauf­nahme. Das Gebäude wurde sys­tem­a­tisch unter­sucht, um vorhan­dene Mate­ri­alien und Bauteile zu iden­ti­fizieren und mögliche Wiederver­wen­dungspoten­ziale abzuschätzen. Mith­il­fe eines Pre-Decon­struc­tion-Audits wur­den unter anderem Art, Menge, Zus­tand, Maße, Befes­ti­gungsarten und Zugänglichkeit der Bauteile betra­chtet.

Auf dieser Grund­lage kon­nte der Rück­bau vor­bere­it­et, geeignete Bauteile aus­gewählt und erste Pri­or­itäten fest­gelegt wer­den. Dabei waren nicht nur der materielle Wert und der Zus­tand rel­e­vant. Eben­so wichtig waren die Fra­gen, mit welchem Aufwand sich ein Bauteil demon­tieren lässt, welche Werkzeuge benötigt wer­den und wie Trans­port und Lagerung organ­isiert wer­den kön­nen.

Rückbaubar geplant ist nicht gleich rückbaubar gebaut

An den fol­gen­den Tagen arbeit­eten die Studieren­den unmit­tel­bar am Gebäude. Schritt für Schritt wur­den Ele­mente aus Gebäude­hülle, Innenaus­bau und tech­nis­ch­er Ausstat­tung demon­tiert. Dazu gehörten unter anderem Fen­ster­flügel und ‑gläs­er, Türen, Holz­wolle­plat­ten, Holzbauteile, Krei­detafeln und Gelän­der sowie Schrankele­mente, Steck­dosen, Lichtschal­ter, Strom­schienen und Leucht­en.

Par­al­lel zur Demon­tage wur­den die tat­säch­lich gewonnenen Bauteile doku­men­tiert. Erfasst wur­den unter anderem der Zeit- und Arbeit­saufwand, einge­set­zte Werkzeuge, auftre­tende Schwierigkeit­en sowie ent­standene Schä­den. Dadurch kon­nten die Annah­men aus der Bestand­sauf­nahme mit den Erfahrun­gen aus dem realen Aus­bau abgeglichen wer­den.

Ger­ade bei den Verbindun­gen zeigte sich ein wesentlich­es Span­nungs­feld. Zahlre­iche Ele­mente waren zwar ver­schraubt und damit grund­sät­zlich demon­tier­bar kon­stru­iert. Teil­weise waren Schrauben jedoch aus gestal­ter­ischen Grün­den so tief versenkt, dass sie nicht mehr zugänglich waren. An anderen Stellen erschw­erten wech­sel­nde Befes­ti­gungssys­teme oder verdeck­te Verbindungspunk­te den beschädi­gungs­freien Aus­bau.

Damit rückt auch die Rolle der Gestal­tung in den Vorder­grund: Wie müssen Verbindungse­le­mente geplant und aus­ge­führt wer­den, damit sie später tat­säch­lich rück­baubar sind? Wie lassen sich gestal­ter­ische Ansprüche mit Reparier­barkeit, Anpas­sungs­fähigkeit und Rück­baubarkeit verbinden?

Auf dem Weg zur Wiederverwendung

Nach dem Aus­bau mussten die Baupro­duk­te sortiert, ver­packt, palet­tiert, ver­laden und zum Bauwen­de­hof trans­portiert wer­den. Dabei waren unter­schiedliche Größen, Gewichte und Empfind­lichkeit­en zu berück­sichti­gen. Vor allem Glas, groß­for­matige Plat­ten und lange Bauteile erforderten eine sorgfältige Hand­habung.

Die Logis­tik wurde so zu einem eigen­ständi­gen Teil des Lern­prozess­es. Selb­st ein erfol­gre­ich aus­ge­bautes Bauteil gelangt nur dann in einen neuen Leben­szyk­lus, wenn geeignete Trans­portwege, Fahrzeuge, Lade­hil­fen, Ver­pack­un­gen und Lager­flächen vorhan­den sind. Rück­bau und Logis­tik müssen deshalb gemein­sam geplant wer­den.

Am Bauwen­de­hof wur­den die bere­its gesicherten und palet­tierten Mate­ri­alien den vorge­se­henen Lager­bere­ichen zuge­ord­net. Infor­ma­tio­nen zu Mate­r­i­al, Maßen, Zus­tand, Herkun­ft und möglichen Anwen­dun­gen wur­den in Bauteil­steck­briefen und dig­i­tal­en Daten­sätzen fest­ge­hal­ten. Die Verbindung von physis­chem Bauteil und dig­i­taler Infor­ma­tion sorgt dafür, dass die Mate­ri­alien später auffind­bar, bew­ert­bar und für neue Pro­jek­te nutzbar bleiben.

Die Bauteile aus der KiTa bilden damit einen ersten Bestand des entste­hen­den Mate­r­i­al- und Bauteil­lagers von sec­ond bau. Dort sollen sie nicht nur auf­be­wahrt, son­dern für Case Stud­ies, Pro­to­typen und neue Anwen­dun­gen sicht­bar und ver­füg­bar gemacht wer­den.

Form follows availability

Zum Abschluss der Sum­mer School entwick­el­ten die Studieren­den in ein­er Ste­greifauf­gabe erste Ideen für die weit­ere Nutzung der gesicherten Mate­ri­alien. Als möglich­er Anwen­dungskon­text diente unter anderem das für Okto­ber geplante Quartiers­büro von sec­ond bau.

Nicht ein fer­tiger Entwurf bes­timmte die Mate­ri­al­wahl. Stattdessen wur­den die vorhan­de­nen Bauteile mit ihren Maßen, Ober­flächen, Gebrauchsspuren und kon­struk­tiv­en Eigen­schaften zum Aus­gangspunkt der Gestal­tung. Die Auf­gabe fol­gte damit dem Prinzip „Form fol­lows avail­abil­i­ty“.

In gemein­samen Brain­storm­ings ent­standen Ideen für Möbel und Ele­mente des Innenaus­baus. Die kreative Umnutzung set­zte neue gestal­ter­ische Möglichkeit­en frei und führte zu Konzepten, die bei einem kon­ven­tionellen Entwurf­sprozess möglicher­weise nicht ent­standen wären. Aus­gewählte Ideen sollen nun weit­er­en­twick­elt und auf ihre prak­tis­che Umset­zbarkeit geprüft wer­den.

Praxis verändert den Blick auf Planung

Die Woche zeigte, wie anspruchsvoll Wiederver­wen­dung in der Prax­is ist. Neben schw­er lös­baren Verbindun­gen und unklaren Befes­ti­gungspunk­ten spiel­ten Zeitaufwand, kör­per­liche Arbeit, Arbeitssicher­heit, Beschädi­gungsrisiken sowie die Organ­i­sa­tion von Trans­port, Doku­men­ta­tion und Lagerung eine wichtige Rolle.

Ein wesentlich­es Learn­ing lautet: ReUse muss so früh wie möglich mitgedacht wer­den. Je später ein Gebäude auf seine Wiederver­wen­dungspoten­ziale unter­sucht wird, desto weniger Zeit bleibt für Bestand­sauf­nahme, Pla­nung, Demon­tage und Ver­mit­tlung. Auch Lagerka­paz­itäten, Trans­port­mit­tel und mögliche neue Anwen­dun­gen soll­ten möglichst früh in den Prozess ein­be­zo­gen wer­den.

Gle­ichzeit­ig zeigte sich der Wert der Zusam­me­nar­beit zwis­chen Pla­nung, Forschung, Handw­erk, Rück­bau und Logis­tik. Viele Entschei­dun­gen lassen sich nicht allein anhand von Plä­nen oder dig­i­tal­en Dat­en tre­f­fen. Erst am realen Bauteil wird sicht­bar, wie eine Kon­struk­tion tat­säch­lich aus­ge­führt wurde, welche Schä­den bei der Demon­tage entste­hen kön­nen und welch­er Aufwand für eine Wiederver­wen­dung erforder­lich ist.

Großer Bedarf an praxisnaher Lehre

Die hohe Zahl an Anmel­dun­gen machte deut­lich, wie groß das Inter­esse von Studieren­den an zirkulärem Bauen und prak­tis­chen Lehrfor­mat­en ist. In ihren Rück­mel­dun­gen beschrieben viele Teil­nehmende, dass reale Baustel­len­er­fahrun­gen und der unmit­tel­bare Umgang mit beste­hen­den Kon­struk­tio­nen im Studi­um bis­lang zu kurz kom­men.

Für zahlre­iche Studierende war die Sum­mer School der erste inten­sive Kon­takt mit Werkzeu­gen, Rück­bauprozessen und dem kon­struk­tiv­en Auf­bau eines realen Gebäudes. Durch das schrit­tweise Auseinan­dernehmen entwick­elte sich ein neues Ver­ständ­nis dafür, wie Bauteile zusam­men­wirken und welche Fol­gen planer­ische und gestal­ter­ische Entschei­dun­gen am Ende eines Gebäudelebens haben.

Die prak­tis­che Arbeit ver­band Architek­tur, Innenar­chitek­tur, Kon­struk­tion und nach­haltiges Bauen. Zirkuläres Bauen wurde nicht als abstrak­tes Ziel ver­mit­telt, son­dern als konkrete planer­ische, gestal­ter­ische, logis­tis­che und handw­erk­liche Auf­gabe. Die Erfahrun­gen zeigen, wie wichtig Lehrfor­mate sind, in denen Studierende ReUse an realen Mate­ri­alien erproben und das Wis­sen über Rück­baubarkeit, Reparatur und Wiederver­wen­dung in ihre zukün­ftige Pla­nung­sprax­is über­tra­gen kön­nen.

Vom Gebäude zum nächsten Lebenszyklus

Die hohe Zahl an Anmel­dun­gen machte deut­lich, wie groß das Inter­esse von Studieren­den an zirkulärem Bauen und prak­tis­chen Lehrfor­mat­en ist. In ihren Rück­mel­dun­gen beschrieben viele Teil­nehmende, dass reale Baustel­len­er­fahrun­gen und der unmit­tel­bare Umgang mit beste­hen­den Kon­struk­tio­nen im Studi­um bis­lang zu kurz kom­men.

Für zahlre­iche Studierende war die Sum­mer School der erste inten­sive Kon­takt mit Werkzeu­gen, Rück­bauprozessen und dem kon­struk­tiv­en Auf­bau eines realen Gebäudes. Durch das schrit­tweise Auseinan­dernehmen entwick­elte sich ein neues Ver­ständ­nis dafür, wie Bauteile zusam­men­wirken und welche Fol­gen planer­ische und gestal­ter­ische Entschei­dun­gen am Ende eines Gebäudelebens haben.

Die prak­tis­che Arbeit ver­band Architek­tur, Innenar­chitek­tur, Kon­struk­tion und nach­haltiges Bauen. Zirkuläres Bauen wurde nicht als abstrak­tes Ziel ver­mit­telt, son­dern als konkrete planer­ische, gestal­ter­ische, logis­tis­che und handw­erk­liche Auf­gabe. Die Erfahrun­gen zeigen, wie wichtig Lehrfor­mate sind, in denen Studierende ReUse an realen Mate­ri­alien erproben und das Wis­sen über Rück­baubarkeit, Reparatur und Wiederver­wen­dung in ihre zukün­ftige Pla­nung­sprax­is über­tra­gen kön­nen.

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